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Ein Ski-Weltcup an der Elbe – Schnapsidee oder Chance?

Von Torsten Schulze: Vor Kurzem hat sich Teichelmauke in diesem Magazin kritisch über die mögliche Bewerbung Dresdens für den Ski-Weltcup geäußert. Nun haben die GRÜNEN im Dresdner Stadtrat mehrheitlich dem Projekt zugestimmt. Torsten Schulze begründete in seiner Rede diese Position:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Stadräte,

als die Frage nach der Austragung eines Ski-Weltcup im Sommer letzten Jahres aufkam sahen wir als GRÜNE in erster Linie die Fragen nach den Auswirkungen auf Umwelt- und Landschaftsschutz.
Sportgroßveranstaltungen ziehen jedes Jahr Millionen von Menschen in ihren Bann, erzeugen einen hohen emotionalen Erlebniswert, verbinden Menschen aus der ganzen Welt, motivieren insbesondere junge Menschen zum Sporttreiben, stehen aber auch entsprechend unter kritischer Beobachtung was die damit verbundenen Umweltbelastungen betrifft.
In den vergangenen Jahren ist die Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene zu einem wichtigen Thema geworden. Der IOC, internationale und nationale Fachverbände haben Nachhaltigkeits- und insbesondere Umweltanforderungen sukzessiv in ihren Grundsätzen und den Vergabekriterien für Großveranstaltungen verankert. Bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen sind ökonomische, soziale und ökologische Aspekten gleichermaßen von Bedeutung:

Ökonomisch: (Nach)Nutzung, Folgekosten, Wertschöpfung, Beschäftigungseffekte
Sozial: Verbesserung der (Sport-)Infrastruktur, Impulse für Stadt- und Regionalentwicklung, Identität und Beteiligung
Ökologisch: Ressourceneffizienz vor allem im Bezug auf Energie und Trinkwasser, Mobilität, Abfall

In Gesprächen mit den Organisatoren des Ski-Weltcup wiesen wir auf diese für uns wichtigen Kriterien hin und erlebten eine hohe Bereitschaft sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und entsprechend in die Konzeptionierung einfließen zu lassen.
Unter anderem wurde die ursprüngliche Länge der Wettkampfstrecke reduziert. Das bedeutet weniger Schneeproduktion, weniger Flächeninanspruchnahme. Die ursprünglich geplante Nutzung der Elbwiesen, die Teil des FFH-Gebietes zwischen Schmilka und Mühlberg sind, ist mittlerweile ausgeschlossen. Für die Einrichtung der Wettkampfstrecke werden bereits versiegelte Flächen genutzt und der Aufbau des Besucherareals erfolgt zwischen Elberadweg und Bebauung am Neustädter Ufer.

Das große Streitthema Herstellung und Einsatz von Kunstschnee ist ein weiteres wichtiges Thema in den Gesprächen gewesen. Vorangestellt werden muß, dass mittlerweile bei jeder Wintersportveranstaltung, egal in welcher Region Kunstschnee bei der Präparierung der Wettkampfstrecken eingesetzt wird. Das hat vor allem mit der Gleichwertigkeit der verschiedenen Streckenabschnitte zu tun. Für die Wettkampfstrecke in Dresden wird mittlerweile auf den Einsatz von Schneekanonen komplett verzichtet. Damit verbunden ist der Wegfall von Salzeinsatz. Die in Südtirol entwickelte Snow-Factory- Technologie kommt komplett ohne den Einsatz von chemischen Zusätzen aus und erzeugt Schnee, welcher bis zu +15°C stabil bleibt. Nach Wettkampfende entstehen keine Folgekosten für Erhalt oder Pflege der Strecke, da diese nach dem Schmelzen weg ist.
Eines der größten Probleme bei Großveranstaltungen, vor allem im Hinblick auf den Klimaschutz, stellt die An- und Abreise der Zuschauer dar, sowie die Fahrten zum Wettkampfort. Laut Konzept erfolgt die Unterbringung der Athletinnen und Athleten, des Wettkampf- und Schiedsrichterteams sowie der Medienvertreter direkt an der Wettkampfstrecke im Westin Bellevue Hotel. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit mit der Bahn anzureisen und das Angebot der DVB innerhalb der Stadt mit einem Kombi-Ticket zu nutzen.

Gehören Wintersportwettkämpfe nicht eigentlich ins Gebirge?
In Anbetracht der fortschreitenden Klimaveränderung werden die damit verbundenen Folgen gerade in den Bergregionen immer sichtbarer. Der Anstieg der Temperaturen in den Hochgebirgsregionen ist doppelt so hoch im Vergleich zum globalen Durchschnitt. Das rasante Abschmelzen der Gletscher ist dabei zum Sinnbild dieses Wandels geworden. Der Klimawandel verändert aber nicht nur das Landschaftbild in den Bergen sondern auch dessen Wasserhaushalt und Ökologie. Dabei geraten insbesondere Pflanzen und Tiere unter Druck und die Wintersaison verschiebt sich oder entfällt im wesentlichen. Der Berg- und Wintersport steht in einer ganz speziellen Beziehung zum Klimawandel: Einerseits wirken sich die Veränderungen massiv auf die verschiedenen Disziplinen aus, andererseits treiben die meisten Bergsportlerinnen und Bergsportler mit ihrem Mobilitätsverhalten den Klimawandel voran. Leider fahren immer noch über 70 Prozent der Bergsportlerinnen und Bergsportler bevorzugt mit dem eigenen Auto in die Berge.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob verschiedene Nutzungen in den Bergregionen reduziert oder an andere Orte verschoben werden können bei deutlich besserer CO²-Bilanz? Hinzu kommt, dass Regionen welche in der Vergangenheit als schneesicher galten bereits heute mit Kunstschnee Wintersportnutzungen absichern. Sportgroßveranstaltungen zu verlagern, die mit hohem Aufwand organisiert und durchgeführt werden und deren Besucherinnen und Besucher sowie das gesamten Wettkampfteam einschließlich Schiedrichtern und Medienvertreter_innen mit dem Auto anreisen, ist eine Möglichkeit der Entlastung in den Bergen.

Zwischen Umweltamt der Stadt und den Organisatoren laufen regelmäßig Gespräche. Laut Vorlage der Stadt arbeitet ein Umweltreferent aus dem Beirat Umwelt und Skisportentwicklung des DSV am Veranstaltungskonzept mit. Mit dem als Punkt 4 ergänzten Monitoring von Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien wollen wir die Einhaltung und Weiterentwicklung der genannten Punkte sicherstellen.
Uns ist als Fraktion bewusst, dass nicht alle Auswirkungen von solchen Veranstaltungen komplett ausgeglichen werden können. Aber wir haben die Chance, zusammen mit unserer Umweltbürgermeisterin, unter Berücksichtigung von Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien durchführen zu können und damit Maßstäbe setzen zu können.

Neben der Möglichkeit eine Sportgroßveranstaltung unter einem “Green Label” in einer Großstadt zu organisieren kommt die Außenwirkung für die Stadt die für ein paar Tage Gäste aus aller Welt beherbergt und mit der Berichterstattung ein positives Bild in die Welt sendet. Für die einheimischen Skisportvereine ist die Durchführung der Landesmeisterschaften des Nachwuchs geplant und auch für die Dresdnerinnen und Dresdner soll das Skifahren auf der Strecke möglich sein.

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2 Kommentare

  1. Hajo Hefmilch

    Bewerbung um einen Ski-Weltcup, weil in einem einzelnen Jahr mal über ein paar Wochen hinweg die (dünne) Schneeschicht wider Erwarten liegen geblieben ist. Und dann wird diesem ausgesprochenen Unsinn, bei dem sich der Oberbürgermeister und seine Fraktion sicher im privaten Kreis herzlich auf die Schenkel geklopft haben, auch noch so bereitwillig zugestimmt, weil vielleicht Arbeitsplätze (!) entstehen könnten. Ist euch eigentlich klar, was NACHHALTIG wirtschafen bedeutet? Oder macht ihr da auch nur flexibel euren Job, der glücklicherweise etwas ruhiger als in der Zeitarbeit verläuft?

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  2. Teichelmauke

    Die Rede ist in sich stringent und schlüssig, in der Binnenwelt der Spocht-Eventisten ist der Ski-Fasching bestimmt auch ganz fortschrittlich und so öko wie nie …
    Nur ist leider sind im Vorfeld die prinzipiellen Fragen, ob die Menschheit (im speziellen Fall die Dresdner Menschheit) „sowas“ braucht und ob wir Grüne solchen Firlefanz als materiell und moralisch förderwürdig ansehen, nicht gestellt oder m. E. falsch beantwortet worden.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, was einem hingehalten wird. Man hätte das Ansinnen – wenn man es schon nicht verhindern kann – ausch schlicht ignorieren können. Nun seid Ihr die Zeugen Ökolos für das Kunstschnee-Bohei, Gratulation.
    Eure angeblich erreichten ökologischen Verbesserungen … meine Güte, das ist doch längst Standard bei jedem Sport-Großereignis, zumindest in zivilisierten Gegenden.
    Bißchen typisch für Dresden ist das natürlich auch: Die weltgrößte LH von ganz Sachsen kann natürlich auch Wintersport, so ein Ereignis steht ihr auch sowieso zu, mindestens vierteljährlich. [Genau wie die Kulturhauptstadtbewerbung, die ist ja eigentlich nur Formsache, wer sollte es denn wagen, diesen Titel dem barocken Disneyland zu verweigern? Nur Banausen, 68er und ein paar grüne Spinner. (Ach nee, die sind in Dresden ja jetzt auch angekommen in der Mitte der Gesellschaft)]
    Ich schweife ab. Das kommt vor, wenn man sich erzürnt.
    Ach, übrigens, wenn demnächst die Klumpen-Heidi vor der Tür steht und ihre Hunger-Gazellen künftig fair handeln will, wenn sie in den Kulturpalast darf … Oder der Dr.-Külz-Ring zur Avus umgebaut werden soll, damit irgendeine Vettel im Kreis fahren kann gegen Geld und dabei ein toller Radstreifen rausspringen könnte … Haltet inne. Für den Blödsinn ist weiterhin der Zastrow zuständig.

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