Wir haben was haben wir erreicht bisher?!

Zwei Jahre „Macht“ in Dresden am Beispiel des Verkehrs

Oder anders ausgedrückt:
Ist das grüne Glas halb voll oder halb leer, ohnehin zu groß gewesen oder war es von Anfang an zu klein?

Eine allgemein gültige Antwort darauf dürfte es nicht geben, zu unterschiedlich ist die Erwartungshaltung der Beteiligten. Für mich persönlich kann ich vermerken, daß ich nach anfänglich starkem Phantomschmerz inzwischen doch spürbare Erfolge wahrnehmen kann, die ebenerdige Straßenquerung am Archivplatz zum Beispiel. Auch neue 30er-Zonen gibt es jetzt einige, ein Anfang immerhin. Selbst am Bischofsweg besteht Hoffnung auf eine zeitnahe Abhilfe für geschüttelte Radfahrende, und bei der Königsbrücker hat die Stadt zumindest ihre Hausaufgaben gemacht (die Auswahl beschränkt sich auf mein fußläufiges Einzugsgebiet).

Die Parkraumbewirtschaftung jedoch verdient noch immer nicht ihren Namen, und die Wiederansiedlung des Zebra-Streifens kommt nicht voran. Bei den berüchtigten Bettel-Ampeln scheint sich rein gar nichts zu tun, da mauert wohl das Straßen- und Tiefbauamt und huldigt seinem Schutzpatron Sankt Verkehrsfluss vom Kraftwagen.

Diesem Amt scheint ohnehin nur mit einer größeren Umstrukturierung zu helfen zu sein. Ein öffentlichkeitswirksam radfahrender Amtsleiter ist zwar schön, aber macht noch keine moderne Verkehrsorganisation, denn ansonsten wird in diesem Laden wohl nur gebuckelt (zu den Betonfraktionen) und getreten (in Richtung Umweltverbund). Wenn man z.B. die haarsträubenden Begründungen liest, warum auf Auto-Parkplätzen partout keine Fahrradständer errichtet werden können, weiß man, welcher unheilige Geist dort weht: Die Achtziger lassen grüßen.
Und sekundiert wird dabei von einer Lokalpresse, für die das Radfahren immer noch allein ein Freizeitspaß ist, vorzugsweise am Sonntagnachmittag auf dem Elbradweg auszuüben, wo es die richtigen Verkehrsteilnehmer nicht stört (vgl. z.B. DNN vom 16.12.17, Seite 18, D. Birgel).

Beim aktuellen Entwurf des Luftreinhalteplans (der zwar im Umweltbereich angesiedelt ist, dessen Erfolg aber ganz wesentlich von einer ökologischeren Gestaltung des Verkehrs abhängt) ist man leider erstaunlich unambitioniert: Die konkret aufgeführten Maßnahmen sind nun nicht sooo sehr spannend (auch wenn das CDU und FDP nicht daran hindern wird, den Untergang des Abendlandes und die Verelendung weiter Teile von Loschwitz und Blasewitz zu prophezeien) und die geforderte Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h auf den stadtnahen Autobahnen ist sogar taktisch minderklug: Wie soll denn nun die zuständige freistaatliche Behörde beweisen, daß sie ein Bollwerk gegen die linksgrünen Wirtschafts- und Kraftverkehrsfeinde ist? Eine „80“ böte da deutlich mehr Verhandlungsmasse, und Freiheitsberaubung tritt auch hier noch nicht ein.

 

Und Visionen, Freundinnenundfreunde?

Mag sein, daß in Strategiegruppen und Arbeitskreisen darüber intensiv gebrütet wird – man hört nur leider nichts davon, zumindest wenn man nicht jeden Tag masochistisch alle dreieinhalb Lokalzeitungen liest oder ein Plätzchen in den Geschäftsgängen der Verwaltung hat.

Dabei liegen die Themen doch auf der Straße, im Sinne des Wortes:

  • Shared Spaces in der Äußeren Neustadt! Es schreit nicht nur danach, es brüllt inzwischen.
  • Oberleitungs-Busse! Die DVB sind immer noch ein träger Haufen, trotz verbesserter Kommunikation, und müssen gepiesackt werden für den Fortschritt (selbst bei den Quartierbussen, wo uns jetzt die neue 73 als Gnadenakt des Betreibers verkauft werden soll)
  • Die Dresdner Düne im Sommer! Das ist derart naheliegend, daß man hier sogar mit den Lohmeyers an einer Sandburg buddeln könnte (was ich persönlich gern noch erleben würde)
  • Fahrradparkhäuser an den großen Bahnhöfen! Traurig, daß man dies in Dresden unter Visionen aufführen muss …
  • Eine Seilbahn von Pieschen ins Ostragehege! Wer jetzt lacht, kann sich bei mir gern seine Ahnungslosigkeit in diesen Dingen bescheinigen lassen, ich hab auch einen Stempel dafür.
  • (bitte eigenes Herzensprojekt eintragen)

Der FDP-Jargon ist mir eigentlich zuwider, aber hier ist er angebracht: In zwei Jahren – eigentlich in anderthalb – sind Stadtratswahlen. Wir müssen noch eine Menge liefern bis dahin, wenn wir unseren (für Dresdner Verhältnisse sensationell großen) Platz dort behaupten wollen. Und das tun wir sicher nicht damit, daß wir ein bißchen SPDiger, ein bißchen linkischer oder gar „bürgerlicher“ werden (damit auch die SächsZ hier ihr Fett abbekommt, die diese putzige Einteilung noch immer pflegt). Sondern wir tun das damit, daß wir unserer Wählerinnenschaft die Versprechen erfüllen, die wir ihnen gegeben haben, und vielleicht noch eine Schippe drauf tun hier und da.

Also: Noch viel zu tun für alle. Aber: Es macht Spaß, Erfolg zu haben.

Teichelmauke

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