Die unendliche Geschichte Königsbrücker Straße neigt sich einem guten Ende zu – hoffentlich!

von Johannes Lichdi

Zur Zeit läuft das Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion. Demnächst ist der öffentliche Erörterungstermin zu erwarten. 2020 oder 2021 ist es dann hoffentlich endlich so weit, dass die Königsbrücker Straße saniert, die Straßenbahn nicht mehr im Stau steht, Radwege gebaut und der mittlere Abschnitt zwischen Katharinenstraße und Paulstraße als Stadtteilzentrum ausgebaut werden kann.
Bei den Stadtratswahlen 2014 hatten vier Fünftel der Neustädterinnen und Neustädter Parteien gewählt, die für eine stadtteilverträgliche Neuplanung der Köni eintreten. Rot-Grün-Rot hat daher die alte Planung einer vierspurigen Trasse von Schwarz-Gelb (Variante V 7) gestoppt. Nach dem Amtsantritt des neuen grünen Baubürgermeister hat auch die Verwaltung mitgezogen und wir haben eine stadtverträgliche schmalere Variante 8.7. erarbeitet, die der Stadtrat mit seiner damaligen Rot-Grün-Roten Mehrheit im Juni 2016 auch beschloss. Leider haben Nachforderungen der CDU-geführten Landesdirektion die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen um zwei Jahre verzögert.

Wie soll die neue Köni aussehen?
Im Mittelabschnitt zwischen Katharinenstraße und Paulstraße ist die Variante 8.7. anstatt 18,70m nun bis zu 12,55m breit (gemessen von Bordstein zu Bordstein ohne Parkstreifen). Die Haltestelle der DVB in städtwärtiger Richtung wird vor die Schauburg verlegt, wo ein Stadtplatz entstehen kann. Nördlich der Kreuzung kann daher eine Rechtsabbiegespur in Richtung Bischofsweg eingeschoben werden und so dieselbe Durchlässfähigkeit für den Autoverkehr wie bei der Vierspurvariante erreicht werden. Radverkehrsanlagen werden auch am Knoten an der Schauburg gebaut.
Die Bäckerei Rißmann auf der Westseite muss nicht abgerissen werden. An der Ladenzone werden die vorhandenen Fußwege frei und für Baumpflanzungen genutzt, da zusätzlich ein eigener Radweg gebaut wird. Auf der Ostseite können im Bereich Schauburg und an der Kreuzung Lößnitzstraße neue Stadtplätze mit Bäumen, Sitzgelegenheiten und Außengastronomie geplant werden. Dafür stehen jeweils etwa 12m zur Verfügung. Die große Flatterulme südlich der Schauburg kann ebenso erhalten werden wie die Vorgärten, etwa vor dem historischen Gebäude des „Trollhus“. Wo heute im Bereich „Hole of Fame“ wild geparkt wird, können die Räume mit Bäumen und Sitzgelegenheiten aufgewertet werden.

Warum die Variante 8.4. nicht geht
Wir Grüne haben mit der „BI Königsbrücker Straße muss leben“ gegen die Vierspurvariante von Schwarzgelb gekämpft. Leider bekämpft die BI nun auch die beschlossene Variante 8.7. Der Kopf der BI, Martin Schulte-Wissermann, befürwortet die Variante 8.4., die auch im südlichen Abschnitt zwischen Albertplatz und Katharinenstraße sowie im nördlichen zwischen Bischofsweg und Olbrichtplatz nur eine Straßenbreite von etwa 12 m vorsieht. Dabei hat die 8.4. unzweifelhaft städtebauliche Vorteile, weil mehr Vorgärten erhalten werden könnten. Leider zeigen die verkehrlichen Simulationen nach den üblichen anerkannten fachlichen Standards, dass die 8.4. keine genehmigungs- und förderfähige Leistungsfähigkeit für die Straßenbahn und den Autoverkehr aufweist.
Die Polemik der 8.4.-Befürworter richtet sich insbesondere gegen das eigene Gleisbett der Straßenbahn hinter dem Albertplatz sowie nach dem Knoten an der Schauburg. Jenes ist aber erforderlich, um nach den stark belasteten Kreuzungen eine sichere Pulkführerschaft der Bahn vor den Autos zu gewährleisten. Weitere Nachteile sind der erhöhte Schleichverkehr im Hechtviertel sowie eine nicht vollständig barrierfreie Haltestelle an der Tannenstraße.
Den Befürwortern der 8.4. ist vorzuwerfen, dass sie die dringend erforderliche Sanierung der Königsbrücker, den Bau von Radwegen sowie gute Bedingungen des Straßenbahnverkehrs auf seiner nordsüdlichen Hauptachse durch illusionäre Maximalforderungen gefährden. Ziel eines ökologisch verträglichen Mobilitätssystems muss ein möglichst hoher Anteil des Rad- und Straßenbahnverkehrs sein. Die Sanierungsplanung der Köni nach der beschlossenen Variante 8.7. trägt wesentlich dazu bei, die schwerwiegenden Nachteile für Rad- und Fußverkehr sowie den ÖV zu beheben.
Die Stadtratswahl am 26. Mai wird entscheiden, ob die stadtteilverträgliche und leistungsfähige Variante 8.7. tatsächlich gebaut wird. Die autopopulistische FDP will natürlich wieder zur Vierspurvariante zurück. Die CDU hat diese Forderungen zwar bisher nicht aufgegriffen, sie dürfte aber umfallen, wenn die politische Rechte aus CDU, AfD, FDP und „Freien Wählern“ im Stadtrat eine Mehrheit erhalten sollte.

Johannes Lichdi ist Stadtrat und kandidiert in der Dresdner Neustadt. Weitere Texte von ihm sind in seinem Blog zu finden.

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